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Andacht Miserikordias Domini

Begrüßung

Einen herzlichen Gruß zum Sonntag „Miserikordias Domini“, das bedeutet: „die Barmherzigkeit des Herrn“.

Diese Barmherzigkeit wird uns versprochen durch den Wochenspruch aus dem Johannesevangelium: „Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“

 

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Eingangsgebet mit Psalmwort Ps.23 

1 Ein Psalm Davids. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. 2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. 3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. 4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. 5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. 6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

 

Schriftlesung Joh.10, 11-16

1 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Räuber. 2 Der aber zur Tür hineingeht, der ist der Hirte der Schafe. 3 Dem macht der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie hinaus. 4 Wenn er alle seine Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme. 5 Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm; denn sie kennen die Stimme der Fremden nicht. 6 Dies Gleichnis sagte Jesus zu ihnen; sie verstanden aber nicht, was er ihnen damit sagte. 7 Da sprach Jesus wieder: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. 8 Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorcht. 9 Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden. 10 Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge. 11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. 12 Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, 13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. 14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. 16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren. Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater,

den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben.

Amen.

 

Predigt

Liebe Gemeinde,

zu dem Dienst als Pfarrer, in den ich berufen wurde, gehört, zur Beschäftigung mit der Bibel zu ermuntern, sozusagen die Lektüre dieses Buches schmackhaft zu machen.

Warum eigentlich?

Nun, liebe Gemeinde, die Bibel ist ein Buch, dessen Inhalt für das Leben außerordentlich wertvoll ist. Es ist eine Orientierungshilfe auf den vielen Wegen, die uns im Leben begegnen, die wir einschätzen müssen danach, ob es die richtigen Wege sind, die zum Ziel führen.

Orientierungshilfe für den richtigen Weg.

Die ganz unterschiedlichen Nöte und Bedürfnisse von Menschen berührten Jesus, das Elend auch von Einzelnen traf ihn bis ins Herz. Darum nahm er alles menschliche Leid und Elend auf sich. So ist das Reich Gottes zu uns gekommen – in der direkten, mitfühlenden, mitleidenden Begegnung.

Jesus will uns auf seinem Weg, den er gegangen ist und immer noch mitgeht, dabei haben.

Ich erzähle Ihnen, liebe Gemeinde, jetzt einmal eine Begebenheit, die sich tatsächlich so zugetragen hat:

Eine alte Frau war von einem Auto angefahren worden. Sie lag auf der Straße, blutend, aber bei Bewusstsein – und ganz allein. Passanten hatten schnell reagiert. Man hatte sogar eine Decke über die Frau gebreitet. Aber sie lag allein da. Um sie herum im Abstand von einigen Metern hatte sich ein Kreis von Menschen gebildet. Und sie lag in der Mitte. Man schaute zu und wartete auf die Hilfe. Es waren ja alle notwendigen Vorkehrungen getroffen.

Ja, liebe Gemeinde, es sah in dieser Situation ganz so aus, als sei für alles vorgesorgt. Trotzdem, etwas fehlte. In dieser Situation ist irgendwie eine große leere Stelle - es fehlt ein Mensch, der zu der alten Frau hingeht, bei ihr niederkniet, ihre Hand nimmt, sie ansieht und gut zuredet oder sogar für sie und mit ihr betet.

Da gibt es oft Unsicherheit, denn – was sagt man eigentlich einem leidenden Menschen?

Dem Leidenden ganz nahe zu sein – das ist lebenswichtig. Das, genau das, ist es, was Jesus getan hat, und was wir auch tun können – damit die neue Welt Gottes ein Stück Wirklichkeit wird, schon jetzt.

Es geht darum, so wie Jesus es auch getan hat, sich dem leidenden, dem hilfesuchenden Menschen konkret zuzuwenden.

Mit Jesus können wir diejenigen sehen und hören, die Hilfe brauchen.

Wir, liebe Gemeinde, sind Gottes Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sollten wissen: Alles, was wir ausrichten, bewirkt Gott durch uns. Uns wird geholfen, wo wir helfen. Wir sind erfasst, wo wir zufassen. Wir empfangen, wo wir geben. Wir antworten, wo wir reden. Ja, wir siegen, da wo wir leiden.

Wir siegen, weil wir dann nicht einfach dem Leid seinen Lauf lassen, und – wie es landläufig manchmal ausgedrückt wird – „wie das Kind beim Dreck stehen“, sondern weil wir das Leid annehmen. Und dann erst können wir uns dem Leid erfolgreich entgegenstemmen, ja widersetzen. Dann sind wir nicht nur Zaungäste oder selber irgendwann ein einsam leidender Mensch, sondern dann haben wir das Leben angenommen und in die Hand genommen. Dann setzen wir Hoffnung gegen Resignation, tätige Selbst- und Nächstenliebe gegen Gleichgültigkeit, Gottesachtung gegen Größenwahn.

„Miserikordias Domini“ – „die Barmherzigkeit Gottes“, so ist der Name dieses Sonntags. Es ist schon Erfahrung von Barmherzigkeit, wenn man die Gelegenheit hat, durch Gottes Wort sich so orientieren zu können, dass man den richtigen Weg findet. Die Barmherzigkeit eines Sonntags.

Wir wäre es, wenn wir uns davon anstecken ließen, und würden die jetzt kommenden Werktage zu Tagen werden lassen, an denen die Barmherzigkeit im Vordergrund steht?

Amen.

 

Fürbittengebet

Du unermüdlicher Gott, wie ein Hirte siehst du nach uns, damit auch wir einander nicht aus den Augen verlieren.

Lass und immer mal wieder daran denken in dem was wir reden und tun.

Wir beten für alle Menschen und für uns:

Für die Menschen, die Verantwortung tragen, dass sie Vorsicht walten lassen in ihren Entscheidungen.

Dass sie Geduld aufbringen und achtsam sind mit deiner gesamten Schöpfung.

Wir beten dafür, dass keiner entmündigt sein soll, auch die Alten nicht, ein jeder soll sein Recht und seine Würde behalten können.

Wir beten für die, nach denen keiner sieht, dass sie gefunden werden, gepflegt, gehegt, geliebt, dass wir ihnen nachgehen und vorsichtig spüren lernen, was ihnen fehlt, damit sie sich wieder wohl fühlen können.

Wir beten für die unzähligen Menschen in der Welt, deren Leben durch Hunger, Armut, Gewalt und Krieg geprägt ist, dass wir sie nicht vergessen und bereit sind zum teilen und helfen.

Gott, dein Wille geschehe!

 

Vater unser

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich;

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Amen


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